Nicotiana im Beet: Ziertabak anbauen und pflegen

Wer einmal abends neben einer Nicotiana sylvestris gestanden hat, versteht sofort die Faszination: Die langen, röhrenförmigen Blüten leuchten im Dämmerlicht fast fluoreszierend weiß, und der Duft zieht meterweit. Ziertabak gehört zur selben Gattung wie echter Rauchtabak, hat aber im Garten eine völlig andere Rolle. Er ist Sommerblume, Duftpflanze und Hintergrundstaude in einem. Und er ist deutlich unkomplizierter, als sein exotisches Aussehen vermuten lässt.

Arten und Sorten: Welcher Ziertabak passt wohin?

Die Gattung Nicotiana umfasst über 60 Arten, für den Gartengebrauch sind aber vor allem drei relevant. Nicotiana sylvestris wird bis zu 150 Zentimeter hoch und trägt hängende weiße Trompetenblüten. Sie ist ideal für die Beetmitte oder als Solitär im Kübel. Nicotiana alata bleibt kompakter, etwa 60 bis 90 Zentimeter, und gibt es in Weiß, Rosa, Rot und sogar Dunkelviolett. Die Sorte ‚Sensation Mixed‘ ist im Handel weit verbreitet. Nicotiana tabacum, der eigentliche Tabak, wächst ebenfalls im Garten gut, wird aber seltener als Zierpflanze eingesetzt und kann über zwei Meter hoch werden.

Für Balkone und Terrassen eignet sich vor allem Nicotiana alata in kompakten Züchtungen wie ‚Perfume Deep Purple‘ oder ‚Lime Green‘. Letztere besticht durch gelbgrüne Blüten, die hervorragend mit dunklem Laub oder Tiefroten Dahlien harmonieren. In Töpfen mit mindestens 20 Litern Volumen wächst sie problemlos und blüht von Juni bis Oktober durch.

Aussaat und Vorkultur

Nicotiana wird fast ausschließlich aus Samen gezogen. Ab Ende Februar bis Mitte März kann man drinnen vorziehen. Die Samen sind sehr fein, daher oberflächlich auf angefeuchtete Aussaaterde streuen und nicht bedecken. Licht ist für die Keimung notwendig. Bei 20 bis 22 Grad keimt Ziertabak nach 10 bis 14 Tagen. Die Keimlinge pikiert man, sobald das erste echte Blattpaar erscheint, in Einzeltöpfe mit 8 cm Durchmesser.

Wer keine Lust auf Vorkultur hat, kann Nicotiana alata ab Mitte Mai auch direkt ins Beet säen. Der Vorteil: weniger Aufwand. Der Nachteil: Die Blüte beginnt dann erst im August, also vier bis sechs Wochen später als bei vorgezogenen Pflanzen. Direktsaat lohnt sich also vor allem, wenn es nicht auf frühen Blühbeginn ankommt.

Standort, Boden und Pflanzung

Ziertabak liebt Sonne, verträgt aber auch Halbschatten. An schattigen Standorten werden die Pflanzen legerer und blühen spärlicher, duften dafür oft intensiver. Der Boden sollte durchlässig und nährstoffreich sein. Staunässe ist der einzige echte Feind: Nicotiana verträgt kurze Trockenheit besser als dauernasse Wurzeln.

Ins Freiland kommt die Pflanze nach den Eisheiligen Mitte Mai. Pflanzabstand für Nicotiana sylvestris: mindestens 60 Zentimeter, für kompaktere Sorten reichen 30 bis 40 Zentimeter. Beim Einpflanzen eine Handvoll reifen Kompost in die Pflanzgrube geben, das reicht oft für den Saisonstart.

Pflege im Sommer

Gegossen wird gleichmäßig, aber nicht übermäßig. Im Kübel etwa alle zwei bis drei Tage, im Beet seltener. Ab Juni alle zwei Wochen flüssig düngen, ein normaler Blühpflanzendünger genügt. Wer eine eher üppige Blüte möchte, kann die ersten Blütenstängel knapp nach dem Aufblühen um ein Drittel zurückschneiden. Das verzögert die Blüte minimal, sorgt aber für mehr Verzweigung und eine längere Gesamtblütezeit.

Verblühte Blütenstände regelmäßig abschneiden hält die Pflanze kompakter und verhindert selbstaussaat. Wer dagegen Samen für das nächste Jahr gewinnen möchte, lässt einige Samenkapseln ausreifen. Eine einzelne Kapsel enthält mehrere hundert winzige Samen, der Vorrat für die nächste Saison ist also schnell gesichert.

Wer sich für den Anbau von echtem Tabak interessiert und Blätter für eigene Experimente braucht, findet bei Händlern wie dem Angebot auf Tabakbläter kaufen eine Möglichkeit, getrocknete Rohtabakblätter zu beziehen, ohne selbst eine ganze Pflanzensaison abwarten zu müssen.

Schädlinge und typische Probleme

Ziertabak ist erstaunlich robust. Trotzdem gibt es drei Probleme, die regelmäßig auftreten:

  • Blattläuse: Besonders an jungen Trieben und bei Töpfen auf Balkonen. Befallene Triebe mit Wasser und etwas Kernseife abspritzen, bei starkem Befall Neem-Präparate einsetzen.
  • Echter Mehltau: Entsteht bei trocken-warmem Wetter und schlechter Luftzirkulation. Befallene Blätter entfernen, Gießen auf den Boden konzentrieren statt über das Laub.
  • Nacktschnecken: Jungpflanzen kurz nach dem Auspflanzen sind gefährdet. Schneckenkorn auf Eisenposphat-Basis rund um die frisch gepflanzten Exemplare hilft zuverlässig.

Generell gilt: Nicotiana enthält Nikotin in allen Pflanzenteilen, was sie gegenüber vielen Fraßinsekten von Natur aus schützt. Das ist ein praktischer Vorteil im Mischbeet.

Ziertabak im Beet kombinieren

Im Staudenbeet funktioniert Nicotiana sylvestris hervorragend hinter niedrigeren Partnern wie Verbena bonariensis, Cosmea oder Salvien. Die Höhe sorgt für Struktur, die Blüten für Leichtigkeit. Im Bauerngarten passt Ziertabak zwischen Sonnenblumen und hohe Zinniensorten.

Für ein Duftbeet lohnt sich die Kombination mit Nachtviole (Hesperis matronalis) und Reseda. Alle drei entfalten ihren Duft hauptsächlich am Abend und ziehen Nachtfalter an. Wer also einen Sitzplatz auf der Terrasse hat, stellt genau diese drei Pflanzen in greifbare Nähe.

Auf dem Balkon macht Nicotiana alata in einem großen Terracotta-Kübel eine ausgezeichnete Figur als Mittelpunktpflanze, umgeben von hängendem Lobelie oder Petunien in komplementären Farben. Weiß blühende Sorten mit blau-violetten Begleitern ist eine Kombination, die sich kaum abnutzt.

Überwinterung: Einjährig oder mehrjährig?

In unseren Breiten wird Ziertabak als einjährige Pflanze kultiviert. Nicotiana ist frost-empfindlich und stirbt bei Temperaturen unter null Grad ab. Wer den Aufwand nicht scheut, kann einzelne Exemplare im Oktober ins Haus holen, bei mindestens 12 Grad und mäßigem Gießen überwintern und im Frühjahr zurückschneiden. Das klappt vor allem bei kräftigen Topfexemplaren von Nicotiana alata. Nicotiana sylvestris hingegen lässt sich kaum sinnvoll überwintern. Hier ist die Neuaussaat im Februar die einfachere Lösung.

Selbst gesammelte Samen aufbewahren: kühl, trocken und lichtgeschützt in einem Briefumschlag. Bei richtiger Lagerung keimen sie noch nach zwei bis drei Jahren zuverlässig. Das ist eine der charmanten Eigenschaften von Nicotiana: Wer einmal mit der Pflanze anfängt, hat für viele Saisons ausgesorgt.